Belastung i. Agility


Unsere Hunde sind keine Sportgeräte, sondern in erster
Linie unsere Freunde/Familienmitglieder. Das wir uns um
ihre Gesundheit sorgen, ist selbstverständlich.

Agility ist eine wunderschöne Sportart. Allzu großer
 Ehrgeiz führt jedoch nicht selten zu irreparablen Schäden
an den Gelenken des Hundes. Wer Agility betreibt, sollte sich
deshalb über die Belastung des Hundes in dieser schnellen
Sportart ein Bild machen.

Der nachfolgende Bericht über Belastung im Agility wurde von
Birgit und Uwe Engert verfasst
. Da mein Frauchen mit diesem
Bericht (Aussagen der beiden) voll übereinstimmt, haben
wir uns diesen mit Erlaubnis hier reinkopiert
, in der Hoffnung,
das sich viele aktive Hundesportler diese Worte zu Herzen nehmen:

“Jeder verantwortungsvolle Hundesportler sollte ganz bewußt darauf achten,
daß sein Vierbeiner physisch (und natürlich auch psychisch)
nicht überbelastet wird. Dies gilt im besonderen bei Welpen und Junghunden,
sowie bei Vierbeinern ab etwa einem Alter von sieben Jahren.
Beim älteren Hund ist auf jeden Fall ein sensibler Umgang mit
seiner Gesundheit anzuraten. Viele begeisterte Hundesportler merken oft
gar nicht, daß ihr Vierbeiner sich nicht mehr ganz so elastisch abfedern kann,
wenn er ein Sprunghindernis bewältigt, wie noch vor einiger Zeit.
Gerade in der Standardklasse (Sprunghöhe zwischen 55 - 65 cm)
sind sich die HF oft nicht bewußt, welche Belastungen
an Sehnen, Bändern, Gelenken und Muskulatur ihres Vierbeiners entstehen,
wenn er auch nur einen Parcourslauf absolviert. Wie gedankenlos einige
Sportler, die einen älteren Agilityhund führen, manchmal mit dieser
Problematik umgehen, erkennt man z. B. an folgendem Kommentar:
"Er ist doch noch topfit und hatte noch nie Gelenkprobleme."
Ein verantwortungsbewußter Hundeführer, der in erster Linie das Wohl
seines Hundes im Auge hat, würde sich allerdings fragen, wie lange dieser
Zustand noch so bleibt?!
Selbstverständlich kommen Gelenkschäden auch bei normal belasteten
Familienhunden vor. Allerdings sollte der Agility-Sportler wissen, daß
 das diesbezügliche Risiko im Hundesport
ungleich größer ist, und bei einem älteren Hund durch die Abnahme
der Knochenelastizität mit der Zeit immer mehr zunimmt.
Sollte man nach Kenntnis dieser Fakten seinen fast unmerklich
in die Jahre gekommenen Vierbeiner trotzdem so lange Standardhöhe
springen lassen, bis er die erste Lahmheit zeigt?
Jeder gewissenhafte Hundebesitzer wird diese Frage mit
einem klaren "Nein" beantworten.
Nicht umsonst wurde die Seniorenklasse eingerichtet.

Junghunde, egal welche Widerristhöhe sie mal bekommen, sollten
grundsätzlich im Training die Mini-Sprunghöhe bevorzugen.
Man kann sie immer noch an die jeweilige Prüfungssprunghöhe gewöhnen,
wenn sie vom Körperbau her ausgewachsen sind. Es gibt auch
viele Hundeführer, die keine Prüfungsturniere laufen möchten.
Denen würde ich grundsätzlich raten, ein Agility-Training immer
"nur" in Mini-Sprunghöhe zu absolvieren.

Ein weiterer Vorteil in der Seniorenklasse ist es, dass nicht mehr
Schnelligkeit, sondern hauptsächlich ein fehlerfreier Lauf gefragt ist.
 Dieses Kriterium vermindert zusätzlich die Belastung und kommt dem
eigentlichen Sinn des Agilitysports am nächsten. Lässt man seinen älteren
Hund trotzdem weiterhin in der Standardklasse starten, so sollte man sich
ernsthaft fragen, ob nicht unangebrachter Ehrgeiz der wahre Grund dafür ist?
Oder will man es einfach nicht wahrhaben, dass der über alles geliebte
Partner Hund älter wird?
Vielleicht möchte man aber auch nur durch die Teilnahme an einem
 Prüfungsturnier und dem damit verbundenen permanentem Training
mit maximaler Sprunghöhe sich und anderen beweisen, zu welchen Leistungen
man gemeinsam mit seinem älteren Hund noch fähig ist. Egal, was den
Hundeführer letztendlich dazu veranlasst, seinem in die Jahre gekommenen Vierbeiner
Standardhöhe zuzumuten, fest steht, er tut ihm keinen Gefallen damit.
Ob Prüfungslauf oder Seniorenklasse, für den Hund stellen die
unterschiedlichen Kategorien bezüglich der Auslastung im körperlichen
und seelischen Bereich keinen Unterschied dar.
Der Schwierigkeitsgrad des Parcours entspricht in der
Seniorenklasse etwa der A2-Kategorie.
Bei einem einzelnen Sprung in Standardhöhe kann man natürlich nicht von
einer großen Gelenkbelastung ausgehen. Allerdings sieht das während
einer Übungsstunde, die üblicherweise einen kompletten Parcourslauf
und ein Sequenztraining enthält, ganz anders aus.
Die Belastung potenziert sich um ein vielfaches, wobei der Slalom und
die A-Wand dabei die größte und oft unterschätzte Belastung darstellen.

Marco Mouwen, der Agility-Doppelweltmeister von 1997, der neben
seiner Agilityschule in der Schweiz auch eine Physiotherapiepraxis
für Hunde betreibt, äussert sich diesbezüglich in einer Abhandlung wie folgt:
"Agility ist ein relativ junger Sport. Die Hindernisse sind
in einer Zeit entwickelt worden, als die Hunde die Parcours noch nicht
so schnell absolvierten. Die Hindernisse sind gleich geblieben,
aber der Sport ist sehr viel schneller geworden.
Die Belastung auf den Hund hat deshalb auch zugenommen,
und somit ist auch eine grössere Verletzungsmöglichkeit gegeben.
Die Gefahr von Verletzungen kann nur auftreten, wenn
der Hund einer Überbelastung auf ein oder mehrere Körperteile
(Körperstrukturen) ausgesetzt ist. Es ist klar, dass im Agility
 ein Hund einer erhöhten Belastung (im Vergleich mit einem Familienhund)
auf Strukturen des Körpers ausgesetzt ist.
Sehr viele der häufig vorkommenden Verletzungen bei Agilityhunden
kann man auf die Belastung an den Kontaktzonenhindernissen zurückführen.

Kaputte Sesamknochen, Arthrose in den Handgelenken, Sehnenverletzungen
und Sehnenscheidenentzündungen kann man als Folge der Belastung an den
Kontaktzonenhindernissen erklären. Die größte Belastung an den
Kontaktzonenhindernissen findet in zwei Bereichen statt:

1. Der Aufgang - wegen der Landung mit gleichzeitiger Richtungsänderung.
 
2. Die Klimmlatten - wegen der großen Belastung auf die Zehen beim Abgang,
und zusätzlich der Druck auf die Weichteile / Zehen in der Landung
beim Aufgang.

Beim Slalom bremst der Hund mit einem Vorderbein und gleichzeitig stößt er
wieder ab, um den Rumpf so nahe wie möglich an die Slalomstange zu halten.
Diese einseitige Technik wird meist von Hunden mit einer relativ langen
Körperlänge im Verhältnis zur Distanz zwischen den
einzelnen Slalomstangen angewandt. Weil die Rückhand des Hundes den
letzten Bogen noch nicht fertig erledigt hat, während die Vorderhand schon
den nächsten gegenseitigen Bogen eingesetzt hat,
kann der Rücken des Hundes nicht genügend um die Körper-Längsachse
drehen, um beide Vorderbeine nach außen bewegen zu können, und muß
mit einem Vorderbein die ganze Brems- und Abstoßbewegung für den
nächsten Bogen machen. Die Rückhand wird dabei fast nicht gebraucht.
Der hintere Teil des Rückens befindet sich noch in der anderen
Bogenrichtung und somit kann die Rückhand nur die Funktion des
Gewichttragens übernehmen. Des weiteren kann man von einer höheren
Belastung ausgehen, je größer die Abstände zwischen den einzelnen
Hindernissen sind. So sollten überwiegend 5 m nicht überschritten
werden, da sich ansonsten die Geschwindigkeit des Hundes erhöht, und
der Druck auf die Gelenke damit größer wird.
Hier sind kompetente Richter und Trainer gefragt!

Die Wichtigkeit, die Belastung zu verringern wird noch unterstrichen,
wenn man realisiert, daß die Mehrheit der älter als fünf Jahre
alten Hunde (60 -70 %) Spondylose (Wucherung an den Knochen) bekommen.
Die Überbelastung vom Rücken bei Spondylose tritt viel schneller auf.
 Leider ist es auch ein weitverbreiteter Irrglaube, daß ein
vermehrtes Agilitytraining zu besseren Leistungsergebnissen führen würde.
Diesbezügliche Beobachtungen ergaben nämlich das genaue Gegenteil.
Gönnt man dem ausgebildeten Agilityhund ab und zu mal eine Trainingspause,
 und achtet darauf, daß man nur einmal in der Woche an einer Übungsstunde
teilnimmt, dann ist die Motivation, Konzentration und das damit verbundene Leistungspotential viel höher. Hier gilt:
Das schönste Spiel wird langweilig, wenn man es ständig spielt.
Viele mittlerweile desinteressierte Agilityhunde, die über längere Zeit
 ein vermehrtes Training absolvierten, und gleichzeitig von einem Turnier
 zum anderen geschleppt wurden, belegen dies. Läßt man es erst
soweit kommen, dann hilft erfahrungsgemäß auch keine noch
so gute Motivation mehr. Effektives Agility-Training, wobei auf Qualität
und nicht auf Quantität geachtet wird, ist deshalb empfehlenswert.

Anfängerteams sollten hingegen kontinuierlich zweimal in der Woche
zum Training kommen. Allerdings sind bei ihnen eher kürzere Übungseinheiten
mit intensiver Motivation sinnvoll.

Sieht man die vorgenannten Argumente in ihrer Gesamtheit, so wird jeder
verantwortungsvolle Agilitytrainer an das Gewissen seiner Übungsteilnehmer
appellieren und ihnen bewußt machen, daß es keine andere Hundesportart gibt,
bei der eine so hohe Belastung auf Sehnen, Knochen, Gelenke und Muskulatur wirkt
.
Und damit sollte sehr sensibel umgegangen werden, denn meist sind einmal
eingetretene Gelenkschäden irreparabel.”

FAZIT:
Als Hundesportler sollte man sich darüber im klaren sein,
daß für den Partner Hund allein die Anerkennung seines
Besitzers - sei es nun durch Leckerlies, Spielzeug oder
Stimme - zählt, und daß der Vierbeiner weder mit einem
Pokal spielen noch ihn fressen kann.

 

[Home] [Neues] [Der Harzer Fuchs] [Ich und  Rudel] [Hundeschule] [UnterFährteAusd] [THS und Agility] [Belastung i. Agility] [Fotos] [Urlaube] [Spondylose] [Ernährung] [Erinnerung an ...] [Abschied nehmen] [Links] [Banner] [Haftungsausschl.] [Impressum]